365 Tage ohne shopping – Das Resümee

2017 war ein aufregendes Jahr voller wichtiger Erfahrungen und Entscheidungen. Einer der zentralen Challenges des letzten Jahres waren für mich, meine 365 Tage ohne shopping.

Für alle, die mein Vorhaben nicht von Beginn an verfolgt haben, liste ich nochmal kurz meine selbst auferlegten Rahmenbedingungen der Challenge auf:

  • alle Kleidungsstücke im Jahr 2017, werden von mir selbst genäht und nicht gekauft
  • Ausnahme: Socken und Unterwäsche (habe ich allerdings beides nicht benötigt im letzten Jahr)
  • maximal 1 Paar Schuhe pro Saison
  • Stoffe und Zubehör wird nur in benötigter Menge, für konkrete Projekte gekauft. Die Stoffe müssen innerhalb von 72 Stunden verarbeitet werden.

Aber habe ich denn überhaupt durchgehalten?

Ein großes, stolzes JA. Es war eine wundervolle Erfahrung. 🙂 Ich fühle mich so frei wie nie und bin froh, so sehr über mich selber hinaus gewachsen zu sein.

Meine Grund für das shoppingfreie Jahr war zunächst mein unglaublicher Konsum an Kleidung.  Wir haben unser Ankleidezimmer aufgeräumt, weil es in einen anderen Raum ziehen sollte und die Schränke immer voller und voller wurden. Letztlich hatte ich gar keine Ahnung mehr, was überhaupt in den Schränken war. Es ist ein Teufelskreis, denn die Dinge, die ich wirklich getragen habe, lagen alle auf einem Stuhl neben den Schränken. Ich füllte zwei große Kleiderschränke und eine Kommode mit Kleidungsstücken, die große Schuldgefühle in mir auslösten.

In den letzten Jahren begann ich bewusster zu leben, mich gesünder zu ernähren und tiefer mit mir verbunden zu sein. Doch den blockierendsten Gedanken in mir, war ich einfach nicht los geworden. Lange Zeit war er mich noch nicht einmal bewusst.

2017 war mein Jahr für ein klares Bewusstsein. Nach und Nach füllte ich 12 große, schwarze Müllbeutel mit Kleidung. Es fiel mir nicht schwer, die Kleidung einfach zu spenden. Allein die Tatsache, dass die Kleidungsstücke mir egal waren, gab mir zu denken.

Zu Beginn war mein Grundgedanke für 2017: Ich möchte mich tiefer mit meinem Hobby verbinden und von nun an, wirklich alles selber nähen. Denn allzu oft dachte ich: Meine Güte, das kannst du eigentlich auch selber nähen. Aus Bequemlichkeit und angeblicher Zeitnot (was nur eine Ausrede ist), habe ich es dann gekauft.

Was wirklich mit mir passiert ist im letzten Jahr:

Und es ist natürlich so, dass ich noch viel tiefer mit meinem Hobby verschmolzen bin. Das Nähen war schon vorher nicht aus meinem Leben weg zu denken, doch jetzt ist es nicht tiefer in meinem Herzen.

Viel wichtiger ist aber das, was außerdem mit mir passiert ist:

  • das Empfinden tiefster Dankbarkeit hat sich in meinem Herzen breit gemacht. Durch den Verzicht auf das „schnelle shopping Erlebnis“, habe ich gelernt dankbarer zu sein, für all die wunderbaren Dinge, die ich besitze und geschaffen habe
  • „Die Grenzen existieren nur in deinem Kopf!“ Es gibt rein gar nichts, was man nicht selber nähen könnte. Erst aus diesem Gedanken ist mein Jeansworkshop entstanden. Wenn wir aufhören uns selber einzureden, dass wir etwas nicht können, geht es ganz von allein.
  • Konsum ist nur dann schlecht, wenn wir ihn als Ersatzdroge missbrauchen! Das ist meine Schlüsselerkenntnis, die mir viele Türen geöffnet hat in ein neues Bewusstsein für die Welt in der wir leben.

Ich befreite mich in letzten Jahr nicht nur davon, unnötig Geld aus dem Fenster zu werfen, sondern auch von krankmachenden Gedankengängen.

Warum kaufen wir eigentlich so lieblos vor uns hin?

Konsum und das Kaufen von Kleidung ist nicht der Teufel. Ganz im Gegenteil, wenn wir uns etwas lang erträumtes gönnen und uns daran erfreuen können, ist es Balsam für unsere Seele.

Doch was ist mit diesen Käufen, die du an einem Tag machst, an denen du dich schlecht fühlst? Ich meine diese Tage, an denen du vor deinem Schrank steht und einfach nichts finden kannst. Diese Tage, an denen du vor dem Spiegel stehst und dich häßlich findest. Oder diese Tage, an dem du schnell zum Friseur musst, weil die Haare, die gestern noch gut waren, heute unerträglich sind.

Genau das ist fast Fashion. Lieblos gekaufte Dinge, die wir nicht tragen, weil sie uns keine Freude bereiten. Sie vergammeln in unseren Schränken. Das Ganze potenziert sich mit dem schlechten Gefühl, wenn du auf deinem Konto siehst, wieviel Geld du ausgegeben hast.

Es ist das fehlende Bewusstsein und ein Gedanke, die in unserer Industrienation einfach verkehrt läuft. Menschen rennen Lottogewinnen hinterher, weil sie glauben, wenn sie viel Geld besitzen, können sie sich glücklich kaufen.

Doch die Wahrheit ist:

Niemand kann sich glücklich kaufen. Wir können uns mit schönen Urlauben, Erlebnissen und Dingen, die wir gern haben möchten belohnen und tief in unserem Herzen einschließen. Das ist nicht das, was ich meine. Aber wir können uns keine Liebe kaufen! Vor allem nicht die Liebe, die wir uns jeden Morgen nur selber schenken können.

Viel, zu viele Jahre habe ich versucht mich glücklich zu kaufen

Viel zu viele Jahre habe ich versucht mir ein Gefühl zu kaufen, was ich mir nur selber geben kann. Und es kam im letzten Jahr vor, dass ich einfach zu viel um die Ohren hatte, um das Kleidungsstück, was mir gerade im Kopf rumschwirrte zu nähen.

Dann passierte es, dass ich unglücklich war, weil ich einfach das Gefühl hatte nichts in meinem Schrank zu haben, was mich an diesem glücklich machen konnte. Es war einfach ein schlechter Tag.

„Das Geheimnis ist, dieses Gefühl einfach auszuhalten. Nichts zu nähen, nichts zu kaufen. Einfach aushalten und hören, was dein Herz zu sagen hat.“

Jedes Mal, wenn du in der Lage bist dieses Gefühl auszuhalten, wirst du mehr über dich erfahren. Du wirst erfahren, was die wahren Gründe sind. Dazu wirst erfahren, warum es dir schlecht geht. Und das ist mehr Wert, als alles Gold der Welt.

Wie geht es jetzt weiter?

Du siehst, eine unglaubliche Erfahrung liegt hinter mir. Ich habe keineswegs das Gefühl irgendetwas kaufen zu wollen oder zu müssen. Aus diesem Grund gehe ich im Jahr 2018 in die nächste Runde. Die Rahmenbedingungen haben sich etwas geändert. Doch dazu werde ich einen gesonderten Blogpost schreiben.

Das Projekt 365 Tage ohne shopping ist im letzten Jahr schon sehr gut bei euch angekommen. Dadurch habe ich einige Interessante Menschen kennen gelernt, wofür ich sehr dankbar bin. Auch in diesem Jahr, werde ich euch durch meine Erfahrungen mitnehmen. Es wird ein aufregendes Jahr, da bin ich mir sicher.

So bin ich sehr stolz euch verkünden zu dürfen, dass es im Herbst ein Buch von mir zu diesem Thema geben wird.

Im Februar startet mein Podcast. In meinem Podcast gebe ich euch Inspiration, Motivation und ein Teil dessen mit, was in meinem Herzen ist.

Das sind große Neuigkeiten oder? Ich kann es selbst kaum glauben: Ein Podcast, ein ein Buch und ein neuer beruflicher Lebensabschnitt. Noch dazu kommt mein Kind in die Schule. Was für ein Jahr! Ich freue mich darauf, es mit euch zu teilen und zu inspirieren.

Wie sieht es bei dir aus? Was sind deine Gedanken dazu und wären 365 Tage ohne shopping was für dich?

Teile deine Meinung auch gern auf Instagram mit dem Hashtag: #365tageohneshopping 

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8 Responses
  • Julia
    Januar 7, 2018

    Ich habe gerade deinen Blogpost gelesen und bin begeistert! Ich finde deine Einstellung und deine Gedanken zu dem Thema fast Fashion super! Da wir bald umziehen bin ich im Moment dabei zu entrümpeln! Viel zu viele Sachen haben sich über die letzten Jahre angesammelt- Dinge die einfach nur da sind, weil sie da sind und nicht weil wir sie wirklich brauchen! Trotz 70qm mehr, werde ich auf viele Sachen zukünftig verzichten!
    365 Tage ohne Shopping- kann ich mir nicht wirklich vorstellen (noch nicht)! Ich bin absoluter Nähanfänger, aber gestern habe ich zum ersten Mal ein selbstgenähtes Shirt getragen und es war ein tolles Gefühl, als ich gefragt wurde wo es her war Das steht auf jeden Fall auf meiner Liste dieses Jahr- mehr nähen, weniger kaufen und eher nochmal darüber nachdenken ob es wirklich notwendig ist! Ich bin ein Online Shopping Opfer aber auch das hat sich in den letzten Wochen schon gebessert!
    Ich freue mich sehr auf dein Buch, weitere tolle Tipps und auf viele neue Nähinspiration!
    In diesem Sinne- Danke und mach weiter so!!

  • Corinna
    Januar 7, 2018

    Respekt, was du erreicht hast! Das mit dem Shopping- Verzicht fällt mir leicht, außer bei Stoffen. Kleider-Frustshoppen hab ich vor einigen Jahren abgelegt. Kürzlich habe ich meinen Freund ins Kaufhaus begleitet- ich war ganz erstaunt, was da so auf den Kleiderbügeln hängt. Ich denke auch beim Blättern in Katalogen: das kann ich mir auch selbst nähen. Wetterjacken und Schuhe sind die Ausnahmen. Ich wünsche dir, dass du deine Ziele weiterverfolgst, de dich glücklich machen! Liebe Grüße!

  • Katha | Bananenmarmelade
    Januar 7, 2018

    Wow, das klingt wirklich super spannend bei dir, liebe Kira! Ein Buch und ein Podcast sind sehr coole Projekte, auf die ich sehr gespannt bin!
    Deine Ergebnisse zu 2017 ohne shoppen hier so zusammengefasst zu lesen hat mich durchgängig nicken lassen. Ich habe diese Entwicklung genau so durchgemacht, wenn auch über einen längeren Zeitraum.
    Ich mag diesen Weg, den du hier mit deinem Blog gehst, sehr und freue mich auf ein tolles Jahr 2018!

    Liebe Grüße!

  • Lisa Kantus
    Januar 8, 2018

    Liebe Kira,

    ein klasse Beitrag von dir. Ich bin gespannt auf deinen Podcast und das Buch.

    Was meine Shoppingsucht angeht, bin ich schon seit vielen Jahren befreit. Ich habe mir jetzt nicht so eine krasse Frist auferlegt aber seitdem ich nähe, denke ich über dieses krasse Konsumverhalten nach.
    (Ich kaufe mir Sachen für Outdoor-Kleidung immer gerne. Das bekomme ich leider nicht gut genäht)

    Deswegen finde ich es so wichtig, dass unsere Blogs unterstützt werden und den Leuten da draußen gesagt wird: „ Hey! Näht, strickt, häkelt eure Kleidung selbst und ihr werdet riesige Freude dabei haben!“

    Ich freue mich drauf dich weiter zu begleiten.

    Liebste Grüße

    Lisa

  • Susanne
    Januar 8, 2018

    Schön formuliert.
    Nichts mehr für mich zu kaufen, außer Schuhen, Unterwäsche und vielleicht mal einer Tasche, hat sich bei mir durch das Selbernähen mit der Zeit ganz von allein ergeben, ohne, dass ich es mir bewußt vorgenommen hätte. Kleidung habe ich schon sicher zwei Jahre nicht mehr für mich zugekauft.
    Wenn mein Mann oder die Kinder shoppen gehen, begleite ich sie gern als Einkaufsberater und bin froh, dass ich mich selbst nicht durch die Angebote wühlen oder in engen Umkleidekabinen stehen muss; Kaufkleidung dient mir höchstens als Inspiration fürs Selbernähen.
    LG von Susanne

  • Leni
    Januar 9, 2018

    Liebe Kira, vielen Dank für die spannenden Einblicke und Erkenntnisse. Von Herzen alles Gute für diesen neuen Abschnitt! Leni

  • Wiebke
    Januar 9, 2018

    Liebe Kira,
    vielen Dank für diesen großartigen Post — du sprichst mir aus der Seele!
    Auch bei mir hat das Nähen zu einem komplett anderen Blick auf mein und das allgemeine Konsumverhalten geführt. Es ist schockierend, wie die (Mode-)Industrie die Verunsicherung von Menschen ausnutzt, um ihre Produkte an den Mann/die Frau zu bringen, indem Bedürfnisse quasi aus dem Nichts heraus kreiert werden.
    Aber wenn man, wie du es beschreibst, die Erfahrung macht, was man alles mit seinem eigenen Händen schaffen kann, dann führt das beinahe zwangsläufig zu einer Emanzipation von diesen Prozessen. Unter diesem Gesichtspunkt kann man die DIY-Bewegung durchaus als eine Form der Revolution betrachten: lauter Menschen, die den Wert von Dingen zu schätzen gelernt haben, weil sie wissen, was alles für deren Herstellung notwendig ist; und die sich ihrer selbst immer bewusster werden und dadurch immer weniger bereit sind, sich von anderen für dumm verkaufen zu lassen.
    Ich freue mich schon sehr, dich beim Nähcamp Hamburg endlich einmal persönlich kennen zu lernen!
    Liebe Grüße
    Wiebke

  • Ann-Katrin
    Januar 11, 2018

    Liebe Kira,
    super, dass du das geschafft hast! Das ist total klasse!
    Seitdem ich nähe, gehe ich auch mit einer ganz anderen Einstellung einkaufen. Die meisten Teile bleiben im Geschäft zurück. Schon krass, was das ändert. Den Großteil meiner Herbgarderobe für die letzte Saison habe ich schon selbstgenäht.
    Vielleicht hat mich dein Beitrag noch ein bisschen mehr zum Nachdenken gebracht, sodass es dieses Jahr noch mehr selbstgenähte Kleidung für mich gibt
    Viele Grüße!

Ich freue mich über deinen Kommentar zu meinem Blogpost

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